Wenn ein Mensch das Bett nicht mehr aus eigener Kraft verlassen kann, verändert sich der Pflegealltag grundlegend. Vieles, was vorher nebenbei lief, wird zur bewussten Aufgabe: das Umlagern, die Körperpflege, das Essen und Trinken. Für pflegende Angehörige ist das oft eine der größten Herausforderungen überhaupt – und gleichzeitig lässt sich vieles gut organisieren, wenn man weiß, worauf es ankommt. Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen praktischen Überblick für die Versorgung zu Hause.
Was bedeutet Bettlägerigkeit?
Von Bettlägerigkeit spricht man, wenn jemand dauerhaft oder über einen längeren Zeitraum ans Bett gebunden ist und die Lage im Bett nicht mehr selbstständig verändern kann. Manchmal ist das ein vorübergehender Zustand, etwa nach einer Operation oder einer schweren Erkrankung, aus dem heraus wieder mobilisiert werden kann. In anderen Fällen ist die Bettlägerigkeit die letzte Stufe eines langen Verlaufs, etwa bei fortgeschrittener Demenz oder im hohen Alter.
Wichtig ist die Unterscheidung, weil sie den Blick lenkt: Bei einer vorübergehenden Situation steht die Mobilisierung im Vordergrund, bei einer dauerhaften eher die möglichst schonende, würdevolle Versorgung. In beiden Fällen sollten Sie die konkrete Situation mit dem behandelnden Arzt und – wenn vorhanden – mit dem Pflegedienst besprechen.
Diese Risiken sollten Sie kennen
Wer viel liegt, ist besonderen Risiken ausgesetzt. Das Wichtigste ist der Dekubitus, also ein Druckgeschwür, das entsteht, wenn dieselben Hautstellen dauerhaft belastet werden. Betroffen sind vor allem Steißbein, Fersen, Hüften und Schulterblätter. Daneben können sich Gelenke versteifen (Kontrakturen), das Thromboserisiko steigt, und flaches Liegen begünstigt Atemprobleme.
Diese Risiken sind kein Grund zur Panik, aber ein Grund für Aufmerksamkeit. Fast alle lassen sich durch regelmäßige Bewegung, gute Lagerung und tägliche Hautkontrolle deutlich verringern. Sprechen Sie Auffälligkeiten – gerötete oder wunde Hautstellen, geschwollene Beine, veränderte Atmung – frühzeitig beim Arzt oder Pflegedienst an.
Richtig lagern und regelmäßig umlagern
Der wichtigste Grundsatz lautet: Druck darf nie zu lange auf derselben Stelle bleiben. In der Praxis heißt das, die Position etwa alle zwei bis drei Stunden zu wechseln – tagsüber häufiger als nachts. Bewährt hat sich die sogenannte 30-Grad-Schräglage, bei der der Körper leicht zur Seite geneigt und mit Kissen abgestützt wird, sodass Steiß und Fersen entlastet werden.
Nutzen Sie Kissen und Rollen gezielt, um Fersen, Knie und Arme freizulagern. Achten Sie darauf, dass keine Falten in Laken oder Kleidung entstehen, denn auch sie erzeugen Druckstellen. Lassen Sie sich die Handgriffe beim ersten Mal vom Pflegedienst zeigen – das schont Ihren eigenen Rücken und gibt Sicherheit.
Der Haut vorbeugend etwas Gutes tun
Zur Vorbeugung von Druckstellen gehört die tägliche Hautkontrolle: Schauen Sie sich besonders die gefährdeten Stellen genau an. Die Haut sollte sauber und trocken gehalten werden, denn Feuchtigkeit macht sie anfällig. Reiben Sie beim Waschen nicht, sondern tupfen Sie ab, und verzichten Sie auf grobe Handgriffe.
Ein trockenes Bett ist dabei die halbe Miete. Saugfähige Bettschutzeinlagen im Pflegealltag halten die Matratze trocken und lassen sich unkompliziert wechseln. Bei stärkerem Bedarf kann eine spezielle Anti-Dekubitus-Matratze sinnvoll sein – diese wird als technisches Hilfsmittel über die Kranken- oder Pflegekasse verordnet.
Körperpflege im Bett
Die vollständige Körperpflege findet bei Bettlägerigkeit im Liegen statt. Eine Grundpflege und Ganzkörperwäsche zu Hause lässt sich in Ruhe und mit den richtigen Hilfsmitteln gut bewältigen. Arbeiten Sie von oben nach unten, halten Sie den Raum warm und decken Sie immer nur den Bereich auf, der gerade gewaschen wird – das wahrt die Würde und schützt vor Auskühlung.
Praktische Helfer wie Einmalwaschlappen, Einmalhandschuhe und milde Waschlotionen erleichtern den Ablauf und die Hygiene. Der Intimpflege bei Pflegebedürftigen kommt dabei besondere Bedeutung zu, weil hier das Risiko für Hautreizungen und Infektionen am höchsten ist.
Passende Hilfsmittel erleichtern den Alltag
Ein Pflegebett mit verstellbarem Kopf- und Fußteil ist bei dauerhafter Bettlägerigkeit fast unverzichtbar. Es entlastet den Rücken der Pflegeperson und ermöglicht eine bessere Lagerung. Dazu kommen Aufrichthilfen, Lagerungskissen und eventuell ein Hausnotruf. Diese technischen Hilfsmittel werden ärztlich verordnet.
Für den täglichen Verbrauch – Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel, Einmalwaschlappen – steht Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 1 die Pflegehilfsmittel-Pauschale von 42 Euro im Monat nach § 40 Absatz 2 SGB XI zu. Bequem gebündelt kommt sie als monatliche kostenlose Pflegebox nach Hause. Einen Überblick, welche Produkte speziell bei dauerhafter Bettlägerigkeit helfen, finden Sie in unserem Beitrag zu Pflegehilfsmitteln für bettlägerige Menschen.
Essen, Trinken und Ausscheidung
Beim Essen und Trinken sollte der Oberkörper möglichst aufrecht sein, um das Verschlucken zu vermeiden. Achten Sie auf ausreichende Flüssigkeit über den Tag verteilt – gerade ältere Menschen trinken oft zu wenig. Kleine, häufige Mahlzeiten sind meist besser als wenige große.
Die Ausscheidung erfolgt bei Bettlägerigkeit über Inkontinenzprodukte, Steckbecken oder Urinflasche. Welche Versorgung passt, hängt von der Situation ab; einen Überblick über Produkte und Kostenträger geben unsere Ratgeber zum Thema Inkontinenzmaterial.
Holen Sie sich Unterstützung
Die Versorgung eines bettlägerigen Menschen zu Hause ist auf Dauer nicht allein zu schaffen – und das müssen Sie auch nicht. Ein ambulanter Pflegedienst übernimmt Grund- und Behandlungspflege, zeigt Ihnen Handgriffe und ist Ansprechpartner bei Problemen. Für Ihre eigene Erholung gibt es den Entlastungsbetrag von 131 Euro im Monat sowie die Verhinderungspflege.
Scheuen Sie sich nicht, Hilfe anzunehmen. Wer sich als Angehöriger selbst überlastet, kann auf Dauer niemandem helfen. Eine gute Organisation und die passenden Hilfsmittel machen den Unterschied zwischen ständiger Überforderung und einem Alltag, der tragbar bleibt.
Häufige Fragen
Wie oft muss ein bettlägeriger Mensch umgelagert werden? Als Richtwert gilt alle zwei bis drei Stunden, tagsüber häufiger. Den individuell passenden Rhythmus legen Sie am besten gemeinsam mit dem Pflegedienst fest.
Bekomme ich die Hilfsmittel zum Verbrauch kostenlos? Ja. Ab Pflegegrad 1 stehen 42 Euro im Monat für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch zu. Über eine Pflegebox rechnet der Anbieter direkt mit der Pflegekasse ab, sodass für Sie keine Kosten entstehen.
Ab wann sollte ein Pflegedienst dazukommen? Je früher, desto besser – schon zur Anleitung. Spätestens wenn Lagerung, Körperpflege oder Wundkontrolle Sie an Ihre Grenzen bringen, sollten Sie einen Dienst einbinden.
Sie möchten die monatlichen Pflegehilfsmittel unkompliziert nach Hause bekommen? Wir beraten Sie gern – schreiben Sie an info@meine-pflegebox.com.
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