Alle Artikel

Parenterale Ernährung über Port: Ablauf und Anspruch

Parenterale Ernährung über einen Port zu Hause: wie sie funktioniert, wer sie übernimmt, worauf Angehörige achten und welche Leistungen zustehen.

PRPflegeboxEU Redaktion
11. August 20266 Min. Lesezeit
Parenterale Ernährung über Port: Ablauf und Anspruch

Wenn ein Mensch nicht mehr ausreichend über den Mund essen kann, ist die parenterale Ernährung über einen Port manchmal der Weg, ihn zu Hause weiter gut zu versorgen. Für Angehörige klingt das zunächst nach Klinik – tatsächlich lässt es sich mit Unterstützung eines Pflegedienstes gut in den Alltag einbinden. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, wie die Ernährung über einen Port funktioniert, wer sie übernimmt und worauf Sie als Angehörige achten. Er ersetzt keine ärztliche oder pflegerische Anleitung – Anlage, Anschluss und Pflege des Ports gehören in fachkundige Hände.

Was parenterale Ernährung über einen Port bedeutet

„Parenteral" heißt: am Verdauungstrakt vorbei. Die Nährstoffe – eine fertige Lösung aus Zucker, Eiweiß, Fett, Vitaminen und Mineralien – werden nicht geschluckt, sondern über eine Vene direkt in die Blutbahn gegeben. Das unterscheidet sie von der enteralen Ernährung, bei der die Nahrung etwa über eine Magensonde in den Verdauungstrakt gelangt. Damit die Vene nicht bei jeder Gabe neu punktiert werden muss, wird ein Port eingesetzt: eine kleine Kammer, die bei einem ambulanten Eingriff unter die Haut – meist unterhalb des Schlüsselbeins – gelegt und mit einer Vene verbunden wird. Über eine spezielle Nadel lässt sich der Port immer wieder sicher anstechen.

Wann sie zum Einsatz kommt

Über eine parenterale Ernährung entscheiden ausschließlich Ärztinnen und Ärzte – zum Beispiel, wenn der Darm Nahrung nicht mehr ausreichend aufnehmen kann, nach bestimmten Operationen oder bei schweren Erkrankungen. Häufig ist sie eine Ergänzung, manchmal die vollständige Versorgung. Ob und wie lange sie nötig ist, hängt vom Einzelfall ab und wird ärztlich immer wieder überprüft.

Wie der Ablauf zu Hause aussieht

Zu Hause läuft die Nährlösung meist über eine kleine Pumpe, die die Menge genau steuert – oft über Nacht, damit der Tag frei bleibt. Ein ambulanter Pflegedienst schließt den Beutel unter sterilen Bedingungen an den Port an, überwacht die Gabe und trennt sie wieder. Angehörige werden dabei angeleitet, unterstützen aber vor allem beim Beobachten und Organisieren – die eigentlichen Handgriffe am Port bleiben in geschulten Händen. Wie sich die Versorgung insgesamt zu Hause aufstellen lässt, beschreibt der Ratgeber häusliche Pflege organisieren.

Wer das übernimmt: Behandlungspflege nach § 37 SGB V

Der Umgang mit Port und parenteraler Ernährung zählt zur Behandlungspflege. Sie wird von der Ärztin oder dem Arzt verordnet und über die Krankenkasse abgerechnet – nicht über die Pflegekasse. Ein Pflegedienst führt sie im Rahmen der häuslichen Krankenpflege durch. Was dazugehört und wie die Verordnung läuft, erklärt der Ratgeber zur Behandlungspflege nach § 37 SGB V. Bei sehr aufwendiger, kontinuierlicher Versorgung kann auch eine Intensivpflege zu Hause infrage kommen.

Worauf Angehörige achten sollten

Der wichtigste Punkt ist Hygiene, denn ein Port ist eine direkte Verbindung zur Blutbahn und damit ein mögliches Einfallstor für Keime. Achten Sie auf Warnzeichen und melden Sie diese umgehend an Pflegedienst oder Arztpraxis: Fieber oder Schüttelfrost, Rötung, Schwellung, Wärme oder Schmerzen rund um den Port, Flüssigkeit, die austritt, oder ein Schlauch, der sich löst. Fassen Sie den Port nicht ohne Anleitung an und geben Sie nichts eigenmächtig darüber. Für den hygienischen Alltag rund um die Versorgung sind Einmalhandschuhe und Flächendesinfektion hilfreich – mehr dazu im Ratgeber zu Desinfektionsmitteln in der häuslichen Pflege.

Welche Leistungen Ihnen zustehen

Bei einem so hohen Versorgungsaufwand liegt oft ein Pflegegrad vor oder lässt sich beantragen – wie das geht, zeigt der Ratgeber Pflegegrad beantragen. Mit einem Pflegegrad stehen Pflegegeld oder Pflegesachleistung, der Entlastungsbetrag und die Pflegebox mit Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch zu. Wichtig zur Einordnung: Die parenterale Ernährung selbst läuft als Behandlungspflege über die Krankenkasse; Pflegegeld und Pflegebox kommen über die Pflegekasse hinzu.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Nach einer schweren Darmerkrankung wird Herr T., 71, zu Hause zusätzlich parenteral ernährt. Jeden Abend kommt der Pflegedienst, schließt den Beutel an den Port an; die Pumpe läuft über Nacht, morgens wird sie wieder getrennt. Seine Frau kümmert sich um Bestellungen und behält die Einstichstelle im Blick. Als der Port einmal leicht gerötet ist, ruft sie sofort den Pflegedienst an – die frühe Meldung verhindert Schlimmeres. Handschuhe und Desinfektion aus der monatlichen Pflegebox gehören für die Familie inzwischen zum Alltag.

Häufige Fragen zur parenteralen Ernährung über Port

Was ist der Unterschied zwischen parenteraler und enteraler Ernährung?
Parenteral bedeutet: über die Vene direkt in die Blutbahn, am Verdauungstrakt vorbei. Enteral bedeutet: über den Magen-Darm-Trakt, zum Beispiel über eine Magensonde (PEG).
Kann parenterale Ernährung über einen Port zu Hause laufen?
Ja. Mit ärztlicher Verordnung und einem ambulanten Pflegedienst ist die Versorgung zu Hause gut möglich. Die Nährlösung läuft meist über eine Pumpe, oft nachts.
Wer bezahlt die parenterale Ernährung über den Port?
Sie ist Behandlungspflege und wird ärztlich verordnet über die Krankenkasse nach § 37 SGB V abgerechnet. Pflegegeld und Pflegebox laufen zusätzlich über die Pflegekasse.
Worauf müssen Angehörige besonders achten?
Auf Hygiene und auf Warnzeichen wie Fieber, Rötung, Schwellung oder Schmerzen am Port. Solche Anzeichen gehören sofort an Pflegedienst oder Arztpraxis gemeldet.

Brauchen Sie eine Pflegebox – kostenlos und ohne Vorkasse?

Wir übernehmen den Antrag bei Ihrer Pflegekasse und liefern monatlich bis zu 42 € Pflegehilfsmittel direkt zu Ihnen nach Hause. Jederzeit kündbar, ohne Papierkram.

Teilen Sie diesen Artikel

Weiterlesen