Wer sich mit Pflege beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff „Expertenstandard" – im Pflegevertrag, im Gespräch mit dem Pflegedienst oder in Broschüren. Für viele Angehörige klingt das nach Bürokratie. Dahinter steckt aber etwas sehr Praktisches: bundesweit einheitliche Regeln dafür, wie gute Pflege aussehen soll. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, was Expertenstandards sind, wer sie entwickelt, welche es gibt – und was sie für die Pflege zu Hause bedeuten.
Was ist ein Expertenstandard?
Ein Expertenstandard beschreibt, wie eine bestimmte Pflegeaufgabe nach dem aktuellen Stand des Wissens am besten gelöst wird. Er fasst zusammen, was wissenschaftlich belegt und in der Praxis erprobt ist – zum Beispiel, wie sich ein Wundliegen verhindern lässt oder wie Schmerzen erkannt und gelindert werden.
Das Besondere: Expertenstandards sind nicht bloß Empfehlungen. Für zugelassene Pflegedienste und Pflegeheime sind sie über § 113a SGB XI rechtlich verbindlich. Ein ambulanter Pflegedienst, der zu Ihnen nach Hause kommt, arbeitet also nach diesen Standards – auch wenn Sie im Alltag nichts davon merken.
Wer entwickelt die Expertenstandards?
Verantwortlich ist das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), angesiedelt an der Hochschule Osnabrück. Für jeden Standard bringt es eine Gruppe aus Pflegewissenschaft und Praxis zusammen, wertet die aktuelle Forschung aus und entwickelt daraus konkrete Handlungsempfehlungen. Die Standards werden regelmäßig überprüft und aktualisiert, damit sie dem neuesten Wissen entsprechen.
Welche Expertenstandards gibt es?
Die Standards decken die Bereiche ab, in denen in der Pflege am meisten schiefgehen kann – und in denen gute Vorbeugung am meisten bewirkt:
Die wichtigsten Expertenstandards im Überblick
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Was bedeuten Expertenstandards für die Pflege zu Hause?
Als pflegender Angehöriger sind Sie an keinen Expertenstandard gebunden – Sie müssen nichts dokumentieren und keine Vorgaben erfüllen. Trotzdem lohnt sich ein Blick hinein, denn die Standards bündeln genau das Wissen, das zu Hause den Unterschied macht: regelmäßig bewegen, Haut beobachten, auf Ernährung und Trinken achten, Schmerzen ernst nehmen.
Viele dieser Grundgedanken finden sich in der vorbeugenden Pflege wieder. Einen praktischen Einstieg dazu bietet der Überblick zur Prophylaxe in der Pflege. Konkrete Anleitungen liefern die Ratgeber zum Dekubitus vorbeugen zu Hause und zur Sturzprophylaxe zu Hause. Und wenn eine schlecht heilende Wunde zu versorgen ist, hilft der Ratgeber zur Wundversorgung in der häuslichen Pflege weiter. Ein guter Tipp: Fragen Sie Ihren Pflegedienst ruhig, nach welchem Standard er bei einem Thema vorgeht – daraus ergeben sich oft wertvolle Hinweise für den Alltag.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Herr S., 84, ist nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt und wird zu Hause versorgt. Der Pflegedienst arbeitet nach dem Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe: Er legt einen Bewegungsplan fest, kontrolliert regelmäßig die gefährdeten Hautstellen und berät die Familie. Die Tochter setzt das im Alltag um – sie lagert ihren Vater nach Plan um, cremt die Haut ein und meldet Rötungen sofort. Das professionelle Wissen aus dem Standard und die tägliche Nähe der Angehörigen greifen so ineinander. Genau dafür sind Expertenstandards gedacht: nicht als Papier, sondern als roter Faden für gute Pflege.
Quelle: § 113a SGB XI (Expertenstandards zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität in der Pflege); Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP).
Häufige Fragen zu Expertenstandards in der Pflege
Was ist ein Expertenstandard in der Pflege?
Sind Expertenstandards verbindlich?
Wer erstellt die Expertenstandards?
Muss ich als Angehöriger Expertenstandards kennen?
Das Wichtigste zum Schluss
Expertenstandards sind kein trockenes Regelwerk, sondern gebündeltes Erfahrungswissen für gute Pflege. Für Pflegedienste sind sie verbindlich, für Angehörige eine wertvolle Orientierung. Wer die Grundgedanken kennt – vorbeugen, beobachten, früh reagieren – pflegt zu Hause sicherer. Weitere praktische Hilfen finden Sie im großen Pflegebox-Ratgeber.
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