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Prophylaxe in der Pflege: die wichtigsten Maßnahmen für zu Hause

Vorbeugen statt behandeln: Welche Prophylaxen in der häuslichen Pflege wirklich zählen und wie Angehörige mit einfachen Mitteln Folgeprobleme verhindern.

PRPflegeboxEU Redaktion
9. August 20266 Min. Lesezeit
Prophylaxe in der Pflege: die wichtigsten Maßnahmen für zu Hause

In der Pflege begegnet einem das Wort „Prophylaxe" ständig – auf dem Pflegeplan, im Gespräch mit dem Pflegedienst, in Ratgebern. Dahinter steckt ein einfacher Gedanke: vorbeugen, bevor ein Problem überhaupt entsteht. Wer einen Menschen zu Hause pflegt, kann mit ein paar Grundregeln erstaunlich viel verhindern – von wunden Stellen bis zum Sturz. Dieser Überblick zeigt, welche Prophylaxen im häuslichen Alltag wirklich zählen, was dahintersteckt und wo Angehörige selbst aktiv werden können.

Was bedeutet Prophylaxe in der Pflege?

Das Wort kommt aus dem Griechischen und heißt sinngemäß „Vorbeugung". In der Pflege sind damit alle Maßnahmen gemeint, die verhindern sollen, dass aus einer Pflegesituation zusätzliche gesundheitliche Probleme entstehen. Wer viel liegt, bewegt sich wenig – und genau daraus können Druckstellen, Thrombosen oder eine Lungenentzündung entstehen. Prophylaxe setzt an, bevor es so weit kommt.

Wichtig ist: Welche Prophylaxe im Vordergrund steht, richtet sich nach dem individuellen Risiko. Ein sturzgefährdeter, aber mobiler Mensch braucht einen anderen Schwerpunkt als jemand, der überwiegend im Bett liegt. Der Pflegedienst oder die behandelnde Ärztin schätzt dieses Risiko ein und stimmt die Maßnahmen darauf ab.

Die wichtigsten Prophylaxen im Überblick

Dekubitusprophylaxe schützt vor dem Wundliegen. Durch regelmäßiges Umlagern, druckentlastende Hilfsmittel und gute Hautbeobachtung lässt sich ein Druckgeschwür meist verhindern. Wie das Schritt für Schritt gelingt, zeigt der Ratgeber Dekubitus vorbeugen zu Hause.

Sturzprophylaxe senkt das Risiko für Stürze, eine der häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte im Alter. Haltegriffe, gutes Licht, festes Schuhwerk und Bewegungstraining gehören dazu – ausführlich beschrieben unter Sturzprophylaxe zu Hause.

Thromboseprophylaxe beugt Blutgerinnseln in den Beinvenen vor. Bewegung, Beine hochlegen, ausreichend trinken und – wenn ärztlich verordnet – Kompressionsstrümpfe sind die Bausteine.

Pneumonieprophylaxe schützt die Lunge. Aufrechtes Sitzen, frische Luft, Atemübungen und regelmäßiges Bewegen halten die Atemwege frei, gerade bei bettlägerigen Menschen.

Kontrakturprophylaxe hält Gelenke beweglich, damit sie nicht versteifen. Sanftes, regelmäßiges Bewegen der Gelenke ist entscheidend – schonende Techniken dafür beschreibt der Ratgeber zur Kinästhetik in der Pflege.

Dazu kommen kleinere, aber wichtige Bausteine: die Mundpflege beugt Soor und Entzündungen vor, und der Schutz der Hautfalten verhindert wunde, gereizte Stellen. Eine gute Hautpflege mit der passenden Körperlotion ist dabei die einfachste und wirksamste Grundlage.

Welche Prophylaxen gibt es? Die zehn klassischen Bereiche

In Pflegeausbildung und Pflegeplanung tauchen meist zehn Prophylaxen auf. Nicht jede ist in jedem Haushalt relevant, aber die Übersicht hilft, das eigene Risiko einzuordnen und dem Pflegedienst die richtigen Fragen zu stellen.

ProphylaxeWer ist besonders gefährdet?Kernmaßnahme zu HauseWarnzeichen
DekubitusMenschen, die viel liegen oder sitzen und sich kaum selbst bewegenPositionswechsel, Druckentlastung, tägliche HautkontrolleRötung, die sich nicht wegdrücken lässt
SturzGangunsicherheit, Schwindel, schlechtes Sehen, viele MedikamenteStolperfallen entfernen, Haltegriffe, gutes Licht, festes SchuhwerkBeinahe-Stürze, Festhalten an Möbeln
ThromboseBettlägerigkeit, Zeit nach Operationen, BeinvenenleidenBewegung, Beine hochlagern, trinken, verordnete Kompressioneinseitige Schwellung, Schmerz oder Wärme im Bein
PneumonieBettlägerigkeit, flache Atmung, Schluckstörungenaufrecht sitzen, tief durchatmen, lüften, mobilisierenFieber, Husten, schnelle Atmung
Kontrakturdauerhafte Schonhaltung, Lähmungen, langes LiegenGelenke täglich sanft durchbewegenzunehmend steife Gelenke
Intertrigo (Wundsein in Hautfalten)Übergewicht, starkes Schwitzen, InkontinenzHautfalten trocken halten, atmungsaktive Kleidung, hautschonende Reinigungrote, nässende Stellen unter Brust, Bauchfalte oder Leiste
Soor und Parotitis (Mund- und Speicheldrüsenentzündung)wenig Kauen, Mundtrockenheit, Zahnprothesen, Sondenkostregelmäßige Mundpflege, Kauen anregen, Lippen pflegenweiße Beläge, Schmerzen beim Schlucken
Obstipationwenig Bewegung, wenig Flüssigkeit, bestimmte MedikamenteBallaststoffe, trinken, Bewegung, feste Toilettenzeitenmehr als drei Tage ohne Stuhlgang, Bauchschmerzen
Dehydratationvermindertes Durstgefühl, Demenz, Fieber, HitzeTrinkplan, Getränke sichtbar bereitstellen, Lieblingsgetränke anbietentrockene Lippen, Verwirrtheit, konzentrierter Urin
HarnwegsinfektInkontinenz, Blasenkatheter, wenig trinkenIntimpflege von vorn nach hinten, trinken, Inkontinenzmaterial zeitnah wechselnBrennen, trüber oder übel riechender Urin, plötzliche Verwirrtheit

Bei Thrombose, Pneumonie, Harnwegsinfekt und Dehydratation gilt: Die Warnzeichen gehören zeitnah in ärztliche Hände. Prophylaxe ersetzt keine Behandlung, sie soll sie überflüssig machen. Für die Mundpflege beschreibt der Ratgeber Mundpflege bei Pflegebedürftigen die einzelnen Schritte, für Kompressionsstrümpfe hilft die Anleitung zum Anziehen von Kompressionsstrümpfen.

Risiko einschätzen: so gehen Pflegefachkräfte vor

Professionelle Pflege arbeitet bei den beiden häufigsten Prophylaxen nach den Expertenstandards des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) zur Dekubitus- und Sturzprophylaxe. Der Kern beider Standards: Zuerst wird das individuelle Risiko eingeschätzt und dokumentiert, dann werden die Maßnahmen darauf zugeschnitten und regelmäßig überprüft. Ein Pflegedienst hält diese Einschätzung in der Pflegedokumentation fest. Angehörige dürfen danach fragen und sollten wissen, welche Risiken bei ihrem Familienmitglied als hoch gelten.

Zwei Werkzeuge daraus taugen auch für den Hausgebrauch. Der Fingertest bei Rötungen: Drückt man mit dem Finger kurz auf eine gerötete Hautstelle und wird sie dabei nicht blass, ist das bereits ein Dekubitus der Kategorie 1. Die Stelle muss dann sofort vollständig druckfrei gelagert werden. Und die Trinkbilanz: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Richtwert für Menschen ab 65 Jahren rund 1,3 Liter Flüssigkeit pro Tag über Getränke. Eine Strichliste am Kühlschrank oder eine Karaffe mit der Tagesmenge macht sichtbar, ob das erreicht wird. Achtung: Bei Herz- oder Nierenerkrankungen legt die Ärztin oder der Arzt die Trinkmenge fest, dann gilt diese Vorgabe.

Wer Pflegegeld bezieht, hat zudem einen festen Anlass, die Prophylaxen prüfen zu lassen: den Beratungsbesuch nach § 37 Abs. 3 SGB XI, der bei Pflegegrad 2 bis 5 halbjährlich abzurufen ist (Pflegegrad 4 und 5 können ihn vierteljährlich nutzen). Die Pflegefachkraft schaut sich dabei die Pflegesituation an – ein guter Moment, gezielt nach Lagerung, Hautzustand und Sturzgefahr zu fragen.

Vier Grundprinzipien, die fast alles tragen

Man muss sich nicht jede einzelne Prophylaxe merken. Fast alle Maßnahmen lassen sich auf wenige Grundregeln zurückführen. Wer diese im Alltag beachtet, deckt schon einen großen Teil ab:

Die Grundregeln der Prophylaxe im Pflegealltag

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Ein Beispiel aus dem Alltag

Frau M., 79, ist nach einem Sturz zeitweise bettlägerig und wird von ihrem Sohn gepflegt. Gemeinsam mit dem Pflegedienst haben sie einen einfachen Rhythmus gefunden: Tagsüber wird Frau M. regelmäßig umgelagert und, so oft es geht, an die Bettkante oder in den Sessel gesetzt – das hält Haut, Lunge und Gelenke in Bewegung. Der Sohn cremt die Haut morgens ein und schaut dabei nach Rötungen. Ein Glas Wasser steht immer griffbereit. Waschhandschuhe, Hautschutz und Einmalunterlagen laufen über die Pflegehilfsmittel-Pauschale. Was zu Hause bei längerer Bettlägerigkeit sonst noch hilft, fasst der Ratgeber zur Pflege bei Bettlägerigkeit zusammen. So bleibt vieles gar nicht erst zum Problem.

Hinweis: Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine individuelle pflegerische oder ärztliche Beratung. Welche Prophylaxen in Ihrem Fall wichtig sind, klären Sie am besten mit dem Pflegedienst oder der behandelnden Ärztin.

Häufige Fragen zur Prophylaxe in der Pflege

Was versteht man unter Prophylaxe in der Pflege?
Prophylaxe meint alle vorbeugenden Maßnahmen, die verhindern, dass aus einer Pflegesituation zusätzliche Probleme wie Druckstellen, Stürze oder Thrombosen entstehen. Kurz gesagt: vorbeugen statt behandeln.
Welche Prophylaxen sind zu Hause am wichtigsten?
Im häuslichen Alltag zählen vor allem Dekubitus-, Sturz-, Thrombose-, Pneumonie- und Kontrakturprophylaxe. Welche im Vordergrund steht, hängt vom individuellen Risiko der pflegebedürftigen Person ab.
Können Angehörige Prophylaxe selbst übernehmen?
Vieles ja – etwa für Bewegung sorgen, die Haut pflegen und beobachten, auf ausreichend Trinken achten und regelmäßig umlagern. Bei speziellen Handgriffen oder Warnzeichen sollten Angehörige den Pflegedienst oder die Ärztin einbeziehen.
Zahlt die Pflegekasse Hilfsmittel für die Prophylaxe?
Für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch wie Handschuhe, Hautschutz und Bettschutzeinlagen stehen bei anerkanntem Pflegegrad bis zu 42 Euro im Monat zur Verfügung. Bestimmte technische Hilfsmittel können zusätzlich beantragt werden.

Das Wichtigste zum Schluss

Prophylaxe klingt fachlich, ist im Kern aber Alltagswissen: in Bewegung bleiben, die Haut pflegen, genug trinken und die Position wechseln. Wer diese Grundregeln beherzigt und bei Unsicherheit den Pflegedienst einbezieht, verhindert viele Probleme, bevor sie entstehen. Weitere praktische Hilfen für die Versorgung zu Hause finden Sie im großen Pflegebox-Ratgeber.

Welche Aufgaben im Pflegealltag zu Hause insgesamt anfallen und wer sie übernehmen darf, ordnet der Überblick zu den pflegerischen Maßnahmen zu Hause ein.

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